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MYTHOS UND GESCHICHTE |
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Legenden ranken sich seit allen Zeiten um diese Insel... Zeus wurde hier geboren, versteckt von seiner Mutter Rhea vor Vater Kronos. Die Geburtshöhle ist immer noch eine Attraktion im Dikti-Gebirge. Theseus, Sohn des Ägeus, König von Athen, zog aus, den Minotaurus zu besiegen. Denn ihm wurden alle neun Jahre sieben adlige Jungfrauen und Jünglinge geopfert. So verlangte es König Minos, Herrscher der Ägäis zu dieser Zeit vom Staat Athen. Der legendäre Minotaurus, monströser Sohn der Gattin des Minos, Pasiphae, ging aus ihrer Leidenschaft zu einem Stier hervor, welche Poseidon geweckt hatte. Der Minotaurus lebte in einem Labyrinth, aus dem die Tochter des König Minos, Ariadne, Theseus mit einem Faden lotste, nachdem dieser den Minotaurus besiegt hatte. Theseus segelte voller Freude zurück nach Athen und vergaß, das mit seinem Vater verabredete Zeichen zu setzen - ein weißes Segel anstelle seines schwarzen. König Ägeus, der die Ankunft seines Sohnes am Kap Soùnion erwartete, stürzte sich verzweifelt ins Meer - und gab diesem so seinen Namen: Ägäisches Meer oder einfach Ägäis.
All diese Legenden kannte auch Sir Arthur Evans, als er im März 1900 auf Kreta seine Ausgrabungen begann. Er fand einen riesigen Palast, den Palast des König Minos in Knossòs. Allerdings konnten bis heute noch nicht alle Rätsel, die die Minoer den Forschern aufgaben, gelöst werden. Die heute bekannte minoische Geschichte beginnt ca. 3000 vor Christi. Allerdings wurden auf Kreta noch frühere Siedlungen entdeckt, die bis 6000 v.Chr. zurückreichen. Erste Siedler brachten in dieser Zeit den Ackerbau nach Kreta. Sie bauten Getreide und Oliven an und ließen sich auf der Insel nieder. Erst mit der zweiten größeren Siedlungswelle entstand die minoische Kultur - die erste Hochkultur Europas. Deshalb gilt Kreta auch als Quelle der europäischen Kultur.
Wie diese Kultur letztlich endete, bleibt weiterhin ein Rätsel. Sicher ist, das ca. um 1400 v.Chr. die Mykener auf Kreta die Macht übernahmen - bis zum Einmarsch der Dorer (die ja angeblich ihren Ursprung in Niederbayern hatten...).
Ganz ging die minoische Kultur dennoch nicht unter. Ein Teil der Bevölkerung siedelte in den unwegsamen Osten um und wurde später als "Eteokreter" (echte Kreter) bezeichnet. Die übrigen wurden meist Sklaven und Untertanen der einfallenden griechischen Dorer. So wurde Kreta griechisch geprägt. Obwohl immer wieder Kriege und Besatzer über Kreta hereinbrachen, erhielt sich die Insel diesen griechischen Charakter.
Dies änderten auch die Römer nicht, für die Kreta als Zwischenstation auf dem Weg nach Asien durchaus eine Rolle spielte. Nach heftigen Kämpfen gelang es den Römern, 67 v. Chr. Kreta zu unterwerfen. Immerhin brachte diese Zeit der Bevölkerung Frieden und beendete die vielen Kriege zwischen den Stadtstaaten der Insel. Unter römischer Herrschaft blüht die Insel auf. Der Seehandel läuft auf befriedeten Routen, und so kann Kreta seine Exportgüter (Früchte, Öl, Wein und Getreide) in großem Stil exportieren.
Das Christentum kam recht früh nach Kreta. Der Apostel Paulus soll um 59 n.Chr. die Insel besucht haben. In Kalì Limènes (schöne Häfen) ging er an Land. Allerdings war Paulus von den Kretern nicht sehr angetan und beschimpfte sie heftig. Als Lügner, faule Bäuche und störrisches Volk... So hielt es ihn denn auch nicht lange auf der Insel und er bestimmte Titus zum Bischof von Gortys (Gòrtina). Dieser bekam aus der Ferne noch einige kluge Ratschläge von Paulus, wie er mit diesem Volke umgehen solle und den Auftrag, das Missionswerk des Paulus fortzuführen. Titus wird auf Kreta sehr verehrt und viele Kirchen sind ihm geweiht. Das Haupt des Titus wird heute als Reliquie in der Agios Titus-Kirche in Iràklion aufbewahrt.
Kreta gehörte bereits seit dem Jahre 395 zum byzantinischen Reich. Dank der sicheren Verhältnisse steigt auch der Wohlstand der Insel stetig. Politisch ist Kreta nicht wichtig, aber der Wohlstand der Insel ist nicht zu übersehen. In dieser Zeit werden zahlreiche Kirchen erbaut. Die Insel war dicht besiedelt, zumeist an den Küsten - es bestand also keinerlei Angst vor neuen Besatzern oder gar Piratenüberfällen.
Doch dieser Friede dauerte nur bis zum Jahr 677 an. Sarazenen überfallen die Insel, denn sie wollen diese als Operationsbasis für einen arabischen Feldzug gegen Konstantinopel nutzen.
Im Jahr 827 fällt Kreta dann endgültig in arabische Hände. Mündliche Überlieferungen berichten von einer Zeit der Unterwerfung durch die Araber, Plünderungen und Christenverfolgung. Ort für Ort wird erobert und unterworfen. 828 gründet Abu Chaf Omar in der byzantinischen Festung Castro (Iràklion) seinen Stützpunkt Rabdh el Khandak. Dieser wird zu einem der gefürchtetsten Piratennester des Mittelmeeres. Konstantinopel versucht 829, die Insel zurück zu erobern - erfolglos. Dies geschieht erst im Jahr 961, als der spätere Kaiser Nikephoros Phokas Kreta von den Sarazenen befreit.
Im 12. Jahrhundert erlebt Kreta eine neue Glanzzeit. Zahlreiche Europäer siedeln sich auf der Insel an, um von hier aus Handel zu treiben. Zeitgleich beginnt allerdings die Macht des byzantinischen Reiches zu bröckeln. Bürgerkrieg und von Kleinasien vorrückende türkische Stämme zerteilen das Reich. Hinzu kommt der schwelende und eskalierende Konflikt zwischen der lateinischen (römisch-katholischen) und der griechischen (orthodoxen) Kirche.
So endet Kretas Zugehörigkeit zum Byzantinischen Reich in den Wirren des 4. Kreuzzuges (1202-1204). Als vertraglich zugesicherte Kriegsbeute soll es dem fränkischen Markgrafen Monferatto gehören. Dieser kann die Insel mangels Geldmangel allerdings nicht in Besitz nehmen und verkauft sie für 5.000 Golddukaten an die Venezianer.
Allerdings stellen sich den Venezianern genuesische Korsaren in den Weg. Im Jahr 1212 besiegen die Venezianer diese und unterwerfen Kreta und sein Volk.
Kreta wird eine straff organisierte Militärkolonie und katholisches Erzbistum.
Fast zwei Jahrhunderte lang wehren sich die Kreter mit Aufständen und Rebellion gegen die Besatzer. Ziel des Widerstandes ist eine Rückführung ins byzantinische Reich. Da diplomatische Bemühungen die Venezianer nicht weiterbringen, errichten sie eine Schreckensherrschaft auf der Insel. Mit Verbannung, Folter, Kerker und Repressalien gegenüber der Bevölkerung versuchen sie, die Aufständischen in die Knie zu zwingen.
Im Verlauf des 15. Jahrhunderts verändert sich erneut die weltpolitische Situation. Das Osmanische Reich erstarkt immer mehr, und im Jahr 1453 fällt Konstantinopel an die Türken. Diese greifen im Jahr 1645 auch Kreta im Westen an. Es gelingt allerdings den Verteidigern, sich 22 Jahre gegen eine komplette Übernahme durch das osmanische Heer zu wehren.
Trotzdem beginnt im Jahr 1669 mit der Türkenherrschaft, die bis 1898 andauern sollte, eines der dunkelsten Kapitel für Kreta. Die Türken regieren die Insel mit eiserner Hand. Viele Kreter fliehen in die Berge und leisten Widerstand. Andere werden mehr oder weniger gezwungen, zum Islam überzutreten. Zwischen den Bevölkerungsgruppen kommt es immer wieder zu bewaffneten Auseinandersetzungen.
Der Widerstand der Kreter gegen die Türken wächst allerdings immer weiter. Aus einzelnen Kämpfern werden Widerstandsgruppen, vor allem die Region Sfakià in den Lefkà Ori wird zum Zentrum der kretischen Aufständischen. Als 1821 auf dem Festland der griechische Befreiungskrieg ausbricht, springt der Funke auch auf Kreta über. Als 1827 die Großmächte in die Kämpfe auf dem Festland eingreifen, sind die Türken zu Verhandlungen gezwungen. 1830 erhält Griechenland die Freiheit, allerdings bleibt Kreta weiter unter ägyptisch-türkischer Herrschaft. Um so entschlossener entbrennt nun hier der Widerstand. Die Losung der Kreter lautet: "Freiheit oder Tod". Als sich 1866 im Kloster Arkàdi 950 Kreter, darunter 600 Frauen und Kinder, in die Luft sprengen, um türkischer Gefangennahme zu entgehen (siehe auch Feiertage), wird Kreta von der Weltöffentlichkeit wieder wahrgenommen.
Aber erst 1889 verlässt nach dem Eingreifen der europäischen Großmächte der letzte Türke die Insel. Nach Jahrhunderten der Unterdrückung ist Kreta endlich frei.
Am 1. Dezember 1913 wird die Insel mit dem Mutterland Griechenland vereint. Ab diesem Moment ist Kretas Geschichte mit der Entwicklung Griechenlands eng verwoben. Als eine Provinz Griechenlands erhielt Kreta einen Gouverneur, und es entstanden die vier nomì (Regierungsbezirke). Hanià, Iràklio, Rèthimno und Lasìthi, jeweils von einem Präfekten verwaltet.
Auch im 2. Weltkrieg spürten die Kreter den Verbund mit dem Mutterland. Im Herbst 1940 stellen die Italiener den Griechen ein Ultimatum zur bedingungslosen Kapitulation. Dieses beantworten die Griechen mit "Ochì!" (Nein!) Zur Erinnerung ist der Ochi-Tag (28.10.) Nationalfeiertag in ganz Griechenland.
1941 wird Griechenland von den Deutschen besetzt, im Mai des Jahres auch Kreta. Wieder stehen neue Besatzer auf der Insel - und wieder erwacht der Widerstand der Kreter. In der "Schlacht um Kreta" verloren viele Menschen ihr Leben. Ein langer Partisanenkrieg gegen die deutschen Besatzer folgte. Unterstützt werden sie durch die Briten. Die Deutsche Wehrmacht geht daraufhin mit brutaler und zielloser Gewalt gegen die Menschen der Insel vor. Ganze Dörfer werden zerstört, so Skines, Ano Viànos und das Bergdorf Anògia. Endlich frei ist die Insel wieder am 09. Mai 1945. Allerdings hinterließ dieser Krieg deutliche und schmerzhafte Spuren. Jedes sechste Dorf war zerstört worden, ein Drittel der Bevölkerung war diesem Krieg zum Opfer gefallen und die Wirtschaft war am Boden. zerstört.ergangenheit dieses Ortes wird weder sonderlich beachtet, noch ignoriert... Heute wundert es mich oft, wie die Kreter dies alles präsent halten und doch scheinbar ignorieren... Kreta ist wohl immer noch ein geheimnisvoller, berauschender Ort, genau wie in den Zeiten, um die sich so viele Legenden ranken...
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